Schreibers Alphabet

Die Werkzeuge eines jeden, der auszieht, um zu schreiben, sind Worte. Manche drohen sogar damit: "Meine Waffen sind Worte, und ich benutze sie, wie ich es will!" Gelegentlich ist so eine Warnung auch angebracht, fürchte ich, ganz besonders, wenn sie missverständlich benutzt werden. Also die Worte, nicht die Warnungen. Bei meinem Beispielbild könnte man glatt auf die Idee kommen, dass da jemand seltsame Vorstellungen vom Autowaschen hat. Aber gut. Es wird viele verblüffen, aber Worte bestehen aus Buchstaben. Und es wäre gut, wenn zumindest diese schon beherrscht werden. Ich kann sie sogar in der richtigen Reihenfolge.

 

A wie ...

 

A. P. Glonn. Klar, so heißt kein Mensch auf der Welt. Nicht mal ich. Ist trotzdem mein Name.Und merkt ihr etwas? Wieder fängt's mit dem Esel an. ;)

 

B wie ...

 

Betaleser. Eine Spezies, die fast noch wichtiger ist als diverse Gesundheitsreformen. Bei Gesundheitsreformen hat man im Endeffekt immer das Gefühl, sich hinterher krank zu fühlen. Betaleser - zumindest diejenigen, die ihren Job ernst nehmen und beherrschen -, sorgen dafür, dass nicht nur die immer fragliche psychische Gesundheit ihrer Schreiberlinge intakt bleibt, sie sind vor allem für gesunde und zufriedene Leser wichtig. Nie wieder Leser, die unter Augenkrebs leiden, in tiefe Plotlöcher fallen oder aufgrund nicht vorhandener Handlung anfangen, schreiend im Kreis zu laufen!

 

C wie ...

 

Copyright. Es ist leider noch immer nicht überall vorgedrungen, wie das letzte Beispiel einer Selbstpublisherin im E-Book-Bereich gezeigt hat. Aber auch geistiges Eigentum ist Eigentum, und nein, aus fremden Werken ganze (Ab)sätze zu kopieren und in sein eigenes Manuskript einzufügen, gilt nicht als selbst geschrieben.

 

D wie ...

 

Das geht gar nicht. Verherrlichung jeglicher Arten von Gewalt, Verharmlosung von Rassismus, Sexismus, Kriegstreiberpolitik und Ignoranz.

 

E wie ...

 

E-Literatur. Fragt mich lieber nicht. Ehrlich gesagt, ich weiß bis heute nicht, was das bedeuten soll. Ernsthaft soll es sein, mit tieferer Bedeutung und wenn's geht, in geistreichen Worten. Ich fürchte, das ist so gar nicht mein Stil, denn meine Mission ist nur eine: zu unterhalten.

 

F wie ...

 

Fanfiction. Ich könnte auch schreiben "Wie alles begann", aber dann hätte ich natürlich kein F am Anfang. Also bleib ich bei diesem Wort. Es gibt Leute, so habe ich mir sagen lassen, die auf FF-Schreiberlinge herabsehen. Diese Leute sind sicherlich die gleichen, welche Bücher von E. L. James oder Cassandra Clare im Regal stehen haben. Wie auch immer. Es gibt nichts Besseres, als seinen Willen zum Schreiben, sein Talent und seine Phantasie in einem bereits vorgegebenen Universum zu trainieren, auszubauen und sich bewusst zu werden, dass man es selbst auch kann. Oder können möchte. Probiert es. Ihr werdet es nicht bereuen.

 

G wie ...

 

Ganz oder gar nicht. Was das Schreiben oder Veröffentlichen angeht, halte ich es wie Yoda, wenn ich auch ein wenig seinen Sprachstil kritisiere. Nicht versuchen. Tu es oder lass es. Aber nicht versuchen.

 

H wie ...

 

Herrgottza! Headdesk! Himmel und Hölle! Man flucht, man schimpft, man droht, man bettelt, man fleht: Es hilft alles nichts. Die Protas zeigen dir den Mittelfinger oder hetzen die Gewerkschaft auf dich (wahlweise beides), dein Gehirn ist wie ein Sieb, ausgerechnet jetzt beschließt deine Umgebung, dass es Zeit für das weltgrößte Weltuntergangsfestival ist und außerdem hält dich ein Schnupfen seit Wochen im Griff. Deine Tastatur macht ohnehin schon lange nicht mehr, was du willst, und deine Finger haben eine eigene Vorstellung vom Zehnfingerschreiben. Kein Problem. Das geht vorüber. Früher oder später.

 

I wie ...

 

Irgendwann klappt's. Mit dem Schreiben. Mit dem Verlag. Dem Berühmtwerden. Und wenn das alles nichts wird, dann doch wenigstens ein Lottojackpot, oder? :D

 

J wie ...

 

Jäger und Sammler. Mein Gehirn arbeitet assoziativ, soll heißen, in Sekundenbruchteilen entstehen Ideen allein aus Wortfetzen, Musik, Liedtexten, Gerüchen, Farben, Formen. Meistens zerfallen diese Ideen genauso schnell wie sie gekommen sind, doch diejenigen, die sich festkrallen, lassen mich nicht mehr los.

 

K wie ...

 

Keine Panik. Wenn sich Protas an einer Stelle weigern, das zu tun, was man möchte oder schlimmer noch, wenn man keine Ahnung hast, was deine Protas eigentlich möchten, ignorier die Szene. Schreib eine andere. Vorausgesetzt, du schreibst keine in sich abgeschlossene Handlung einer Kurzgeschichte, hast du alle Möglichkeiten der Welt, dir eine andere Szene zu schnappen und diese niederzutippen. Kein Gesetz der Welt verbietet nichtlineares Schreiben. Sicher? Ganz sicher.

 

L wie ...

 

Lachen. Ich liebe es. Schreib mir also ein Buch, das spannend, abenteuerlich, mystisch und - ganz, ganz wichtig! -, humorvoll ist, und du hast mich am Haken. Mich und wahrscheinlich 80 Prozent aller anderen Leser, die sich für dein Genre interessieren.

 

M wie ...

 

Manuskript. Und fertig. Und hurra! Und Absagen. Absagen, Absagen, Absagen. Von Verlagen, von Agenten. Schlaflose Nächte, rotgeräderte Augen, Hoffnungen und kurzzeitige Erlösung. Kurzzeitig deshalb, weil garantiert bereits das nächste Bunny zugebissen hat. Von der Überarbeitung will ich gar nicht erst anfangen, sonst breche ich in Tränen aus.

 

N wie ...

 

Nimmermehr. So gern ich Fantasy lese, so ungern möchte ich jemals wieder auf einem Klappentext solche Sachen lesen: Auserwählte(r). Einzige(r) Auserwählte(r). ...war völlig normal, bis er eines Tages ... Und er/sie stellt fest, dass er/sie über unglaubliche Fähigkeiten verfügt, die er/sie noch nie bemerkt hatte. (Schon allein da möchte man doch an den geistigen Kapazitäten des Helden zweifeln, finde ich.) Oder diese Art: X ist der härteste Vampir/Gestaltwandler/Supermagier/Held der Weltgeschichte, der nie Gefühle hatte - bis er auf Y trifft: Sie ist nur eine Menschenfrau, aber ihre Schönheit, ihr graziler Gang, ihre zarte Stimme ziehen ihn in ihren Bann, und X verliebt sich unsterblich. (Wortwörtlich. Ist ja doch ziemlich lang, so eine Ewigkeit.)

 

O wie ...

 

Originalität. Es gibt Leute, die sind ewig auf der Jagd danach. Ich gehöre dazu. Bleibt die Hoffnung, dass ich meine eigenen Erwartungen auch erfülle. Oder mit der Kritik der Leser leben kann.

 

P wie ...

 

Plotbunny. Das ist eine unglaublich unterschätzte und sehr gefährliche ... hm. Was eigentlich? Art? Rasse? Wesen? Kann ich nicht richtig beurteilen. Tatsache ist, dass sie dich hinterrücks überfallen und du es meistens nicht einmal merkst, bis sie dich eingesponnen haben in ihre Ideen, ihre abstrusen Vorstellungen, Handlungen, Beziehungen und die abgrundtiefen Löcher, die sich dadurch auftun können. Beware!

 

Q wie ...

 

Qual. Ehrlich mal, was soll man auch sonst mit dem Q anstellen? Ist das nicht einer der sinnlosesten Buchstaben des gesamten Alphabets? Könnte man den nicht problemlos ersetzen? Stellt euch vor, ab heute gäbe es eine neue Rechtschreibreform. Statt "Qual" stünde da plötzlich "Kwal" oder aus der "Qualle" würde eine "Kwalle". Was denn, findet ihr auch nicht schlimmer als andere Sachen, die bei den RS-Reformen durchgesetzt wurden? Alles Kwark, oder?

 

R wie ...

 

Ratgeber. Ich habe es durchgerechnet. In den letzten vier Jahren habe ich etwa anderthalb Millionen Worte nur für Geschichten geschrieben. Das ist eher noch tief gestapelt denn übertrieben. Und nach all diesen selbstverfassten und geschriebenen Worten habe ich zum Geburtstag meinen ersten Schreibratgeber geschenkt bekommen. Und damit kommen wir auch gleich zum nächsten Buchstaben, denn hier ist  ...

 

S wie ...

 

Sol Stein, offenbar eine Legende unter den Ratgeberverfassern. Er erfindet mit "Stein on writing" nicht das Rad neu, aber viele Sachen, die ich bestimmt unbewusst erfasst hatte, formuliert er aus. Er macht anfangs einen Fehler, den er selbst anprangert: Er ist laaaaaaaangatmig. Aber im Großen und Ganzen ist interessant, was er zu sagen hat. Obwohl mir manche im Ratgeber aufgefallenen Dogmen gegen den Strich bürsten. Man kann es mit show don't tell auch übertreiben.

 

T wie ...

 

Testleser. Fast so schwierig zu finden wie Betaleser, und manchmal übernehmen sie auch beide Jobs. Aber normalerweise fungiert ein Testleser eher für den Gesamteindruck: Ist der Plot durchdacht und schlüssig? Handeln die Protagonisten nachvollziehbar? Ist der Schreibstil angenehm und der Geschichte angepasst? Sag mal, dämlicher Schreiberling, was soll das heißen, die Story ist zu Ende? Schreib auf der Stelle ein Sequel! (In der besten aller möglichen Welten kommt ein solcher Kommentar.) Wichtig ist jedoch das Feedback dieser Leute. Und ehrliche Kritik, selbst wenn es von den besten Freunden kommt. Ich habe doppelt Glück: Freunde, die mir diese Kritik geben und Kritiker, die freundlich und sachlich den Mist, den ich verzapfe, offenlegen.

 

U wie ...

 

Unlust. Soll vorkommen, lautet ein Gerücht. Und solange man keinen Vertrag mit einem Verlag hat oder keine Abgabetermine, die im Nacken drücken, ist es okay. Schreiben soll schließlich Spaß machen, doch selbst der lustigste Mensch kann nicht immer Spaß vertragen. Sollte die Unlust chronisch werden, kann man davon ausgehen, dass es am real life liegt. Die Protas einer Geschichte sind erfahrungsgemäß Rampensäue, die lieber heute als morgen über sich erzählen.

 

V wie ...

 

Verlag. Großer Verlag, Publikumsverlag. Man kann mir erzählen, was man will, aber ich glaube, jeder, der Bücher schreibt, wünscht sich, veröffentlicht zu werden. Und wenn das geschieht, sollte das möglichst im großen Stil passieren, das Buch in den Buchhandlungen ausliegen, Leseprobenheftchen herumschwirren, am besten noch bei der Buchmesse einen eigenen Stand bekommen. Ein schöner Traum. Ich halte an ihm fest. Und es ist nicht verkehrt, diesem Traum näher zu kommen, indem man sich einen Agenten sucht oder bei einem kleineren Verlag anfängt.

 

W wie ...

 

Warum schreibe ich eigentlich das ganze Zeugs? Weil es rausmuss. Weil es meinen Kopf klärt, mir Raum für Neues lässt. Für Inspirationen, für Anregungen, für Ideen, für .. ja. Manchmal auch Quatsch. Oder Kwatsch. Wie es euch gefällt. ;)

 

X wie ...

 

x Worte in x Geschichten und Büchern. Die genaue Anzahl aller jemals gelesenen und geschriebenen Worte wird niemals zu ermitteln sein, und ich finde, das ist auch ganz gut so. Auf mindestens die Hälfte davon könnte man wahrscheinlich ohnehin verzichten. Aber wenn ich die Wahl habe zwischen allen oder gar keinen, würde ich mich immer für alle entscheiden. Ihr wisst schon: ganz oder gar nicht.

 

Y wie ...

 

Ypsilon. Dieser Buchstabe ist nun wirklich überflüssiger als überflüssig. Im Prinzip brauchen ihn doch nur die Bayern. Aber ganz unter uns: Baiern würde so schlecht auch nicht aussehen. Und einen sprachlichen Unterschied hört man ja ohnehin nicht.

 

Z wie ...

 

Zum Schluss. Last but not least muss ich noch jemanden erwähnen. Viele Jemande. Eine ganze Truppe. Das Rudel. Mein Rudel. Diese ganzen Leute, mit denen ich täglich mein Leben teile und die ich vermisse, wenn ich mich einmal außerhalb des 21. Jahrhunderts (sprich: ohne Internet) befinde. Danke, dass es euch gibt.

 

Fragen, Proteste, Anmerkungen, Kritik? Ich bin ganz Ohr.

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Kommentare: 7
  • #1

    Reek (Sonntag, 06 Januar 2013)

    Fragen? Nö.
    Proteste? Nope.
    Anmerkungen? Nicht wirklich.
    Kritik? Nein.

    Warum ich trotzdem kommentiere? Weil ich dein Alphabet klasse finde und ein bisschen *Lob* gehört auch mal dazu. ;)

    Es steckt viel Wahres darin (vor allem deine Ausführungen über das Q und das Y). Besonders wiedergefunden hab ich mich allerdings in deinem U. Ich werd dann mal versuchen ... nein, streich das. Ich werd mal rausfinden (!), wie ich das ändern kann. :)

  • #2

    apglonn (Montag, 07 Januar 2013 13:15)

    L wie Lob von Reek. Finde ich gut. Nein, am besten. Und was das U angeht: Zumindest bei mir ist es nicht die Unlust am Geschichtenerzählen an sich - eher die des Geschichtenschreibens. Ich wünschte, es würde endlich mal einer einen Apparat erfinden, den man nur am Kopf anschließen braucht, und der sämtliche Ideen, die sich im Gehirn bilden, aufschreibt. Die Zeit, die man damit sparen könnte! ;)

  • #3

    Frau Hilde (Freitag, 11 Januar 2013 20:46)

    Armes Y.
    Da stehen sie jetzt, der Oda und der Luke Skwalker. Und vermissen es. Und irgendwo in einer Parallelwelt suchen Harr Potter und Ron Weasl danach.
    Irgendwie gemein, das. ;)

  • #4

    apglonn (Samstag, 12 Januar 2013 11:56)

    Ach, herrjeh. Und da steh ich da, ich armer Depp, und fühle wohl, mir fehlt der Pepp. Fast könnte man meinen, ich habe einen kapitalen Bock geschossen mit meiner Herabwürdigung des Y. Aber so ein Joda, ein Herr Skeiwalker, ein Harri Potter und ein Ron Weasli sieht doch - zumindest wenn ich so betrachte, was die unglaublich reformierte neue deutsche Rechtschreibungs so hervorgebracht hat -, auch nicht schlechter aus. :D Nein, stimmt schon. In einem Wort sieht es noch ganz hübsch aus, ich glaube, mich ärgert viel mehr, dass man nicht so listig ein sinnvolles Wort damit bilden kann außer Ypsilon an sich.

  • #5

    Frau Hilde (Sonntag, 13 Januar 2013 20:10)

    Die APGlonn hat ganz viel Glück, ich geb ihr ihren Pepp zurück.
    Y ist wirklich kein nettes Ding. Wenn man nicht gerade aus Finnland kommt, was ich nicht tue, kann man's nur sehr bedingt brauchen.

    PS: Ganz vergessen... Ich hoffe, es ist okay, wenn ich auch verlinke?

  • #6

    apglonn (Montag, 14 Januar 2013 12:14)

    Puh. Da bin ich erleichtert. Und PS: gern!

  • #7

    Frau Hilde (Montag, 25 Februar 2013 16:49)

    *reinschnei* Hallo-ho? *umschau*
    *Grüße hier lass*
    *von dannen trappel*